Historische Landnutzung

Im Gesamtraum der Rhön wurde die Landwirtschaft vom Mittelalter bis ins 19. Jh. hinein durch geregelte Dreifelderwirtschaft in Siedlungsnähe und ungeregelte Feld-Gras- oder Feld-Weidewirtschaft mit lang andauernden Brachen in den dorffernen Bereichen gekennzeichnet. Diese Bewirtschaftungsdorm unterstützte die heute zu beobachtende hohe Biodiversität der Region.

Stark an diese Bewirtschaftungsweise gekoppelt war eine extensive Schaf- und Ziegenhaltung in Form der Huteweide (Schimmelpfeng 1993), bei welcher im Gegensatz zur Standweide keine Umzäunung der Weidefläche vorgenommen wird. Die Huten, gebietsweise auch Hude (abgleitet von hüten) und Triften (wird sowohl für die Wege zu den Huteflächen als auch gebietsweise für die Huten selbst benutzt) waren räumlich und zeitlich keinen Regelungen unterworfen. Vom Frühjahr bis in den späten Herbst weideten die Herden, geführt von Hirten, auf den gleichen Flächen, getrennte Weidegebiete hatten nur die einzelnen Tierarten (Kühe, Schweine sowie Schafe und Ziegen) (Nitsche & Nitsche 1994).

Grundlegende Veränderungen in der Landnutzung setzten etwa in der Mitte des 19. Jh. als Folge umfassender Gesetzesreformen sowie durch Verbesserungen in der Dreifelderwirtschaft und eine beginnende Mechanisierung ein. Die Einführung des Futterbaus (Klee, Klee-Grasgemische, Esparsette, Kartoffel) und die Nutzung der Grünlandflächen zur Heugewinnung ermöglichten eine vermehrte Stallhaltung vor allem beim Rind.

 

Als landwirtschaftliche Sonderkulturen des Projektgebietes sind der vom Mittelalter bis etwa zum Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) betriebene Weinbau zu nennen, der in klimatisch günstigen Lagen bis in Höhen von 500 mNN möglich war. Der Name Weinberg nordwestlich von Seeba weist heute noch darauf hin. Ebenfalls Wein, dann bis zum Beginn des 19. Jh. Hopfen, wurde auf der Südseite des Wallenberges (521 mNN) östlich von Wohlmuthausen kultiviert. Auch der Obstbau besetzte viele der ehemaligen Weinlagen. Seit 1770 wurde er stark gefördert, wobei man sich besonders um die Verbreitung der Kirsche bemühte. Bis ins 19. Jh. waren die Obstarten zu etwa gleichen Teilen vertreten, später gewann der Apfel die Oberhand.

fast reifes Getreidefeld mit säumenden Apfelbäumen am Wegrand bei Stepfershausen an einem sonnigen Sommertag (Foto: J. Gombert)
Getreidefeld mit säumenden Apfelbäumen bei Stepfershausen (Foto: J. Gombert)