Umsetzung 2019

Fledermausnetzfang - jetzt schlägt´s 13!

Die heimlichen Gesellen der Nacht lassen sich nur schwer nachweisen. Mit Fledermausspezialisten gingen wir im Jahr 2019 zweimal auf die „Pirsch“ – besser gesagt, führten einen Netzfang durch. Begleitet wurde das Ganze durch akustische Erfassungen.

2018 fand der erste Netzfang im Rahmen der "Geflügelten Vielfalt" statt.

Insgesamt wurden bei den bisherigern drei Netzfängen im Rahmen des Projektes „Geflügelte Vielfalt“ 13 Fledermausarten in drei Streuobstwiesen nachgewiesen: Braunes Langohr, Fransenfledermaus, Kleiner und Großer Abendsegler, Bechsteinfledermaus, Zwergfledermaus, Wasserfledermaus, Kleine Bartfledermaus, Großes Mausohr, Breitflügelfledermaus, Zweifarbfledermaus, Mopsfledermaus und Rauhautfledermaus.

Besonders freut uns, dass die Zielarten des Projektes - Langohren und Bechsteinfledermäuse - in den drei bisher untersuchten Streuobstwiesen jagen!

Braune Langohren (Plecotus auritus) gehören zu den Arten die in Streuobstwiesen jagen – durch ihre spezielle Flugtechnik können sie Insekten von den Blättern absammeln
Foto: Dietmar Nill
Vorbereitungen zum nächtlichen Netzfang auf einer Streuobstwiese
Foto: LPV Rhön
Bechsteinfledermäuse (Myotis bechsteinii) wurden bei allen drei bisherigen Netzfängen nachgewiesen
Foto: Christoph Robiller

Ehrenamtliche Vogelkartierung auf Projektflächen

Wir freuen uns, dass wir mit der Unterstützung ehrenamtlicher Kartierer die Bedeutung der Streuobstwiesen für Vögel unterstreichen konnten. Auf den kartierten Flächen wurden im Jahr 2019  bis zu 62 verschiedene Vogelarten nachgewiesen.

Darunter auch der Wendehals – eine Zielart des Projekts.

Eine Zielart des ENL-Projektes „Geflügelte Vielfalt“ – der Wendehals (Jynx torquilla)
Foto: Frank Leo
Der Kleiber (Sitta europaea), auch Spechtmeise genannt wurde mehrfach in der Streuobstwiese nachgewiesen
Foto: Christoph Robiller
Ein weiterer typischer Vertreter der Streuobstwiesen ist der Grünspecht (Picus viridis) – auch ein Liebhaber der Ameisen-Kost
Foto: pixaby

Wendehals- und Fledermauskästen

Um die Flächen mit attraktiven Requisiten aufzuwerten, wurden im Februar 2019 Fledermaus- und Wendhalskästen in den Streuobstwiesen aufgehängt. Im August machte sich unser Projektteam gespannt auf, um die Kästen zu kontrollieren.

Bis auf zwei Kästen, wurden alle genutzt!

Meisen- und Kleibernester fanden sich ebenso, wie ein Brutnachweis des Wendehalses.

Kotkrümel verrieten in verschiedenen Kästen, dass diese von Fledermäusen angenommen wurden. Das Highlight in den Kästen stellte eine kleine Wochenstube der Bechsteinfledermaus dar!

Zusätzlich konnten wir Gelbhalsmäuse und Siebenschläfer in den Kästen entdecken.

Herr Linse im Winter 2019 beim Aufhängen der Fledermaus- und Wendehalskästen
Foto: LPV Rhön
Bei der Kastenkontrolle wurden auch Siebenschläfer (Glis glis) in den Kästen aufgespürt. Foto: LPV Rhön
Ein Highlight war der Nachweis einer kleinen Wochenstube der Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) Foto: LPV Rhön

670 x Baumschnitt und Stabilisierung von Totholz auf 10 großen Streuobstwiesen und Lückenbepflanzungen

Dank des Schnitts ist die Voraussetzung geschaffen worden, dass die Bäume noch viele Jahre von Tier und Mensch genutzt werden können. Die Baumpflege 2019 wurde an regionale Pflegefirmen vergeben.

Um die Streuobstwiesen langfristig zu erhalten, ist es notwendig, ausgefallene Bäume zu ersetzen. Bisher wurden 90 junge Bäume gepflanzt. Dabei achteten wir darauf, möglichst alte und regionale Sorten zu verwenden.

Baumschnitt LPV Rhön
Beim Baumschnitt wird darauf geachtet, dass Strukturen wie Höhlen und Rindenabspaltungen erhalten werden (Foto: LPV Rhön)
Apfelbaum vor dem Schnitt
Ein Apfelbaum vor dem Schnitt (Foto: LPV Rhön)
Apfelbaum nach dem Schnitt
Apfelbaum nach dem Schnitt (Foto: LPV Rhön)

Entbuschung von Streuobstwiesen

Beispielsweise bei Völkershausen wurde eine kommunale Streuobstwiese entbuscht. Dadurch wurde der Charakter der Streuobstwiese wieder hergestellt. Besonders wichtig ist es, kurzrasige Bereiche zu schaffen, um insbesondere dem Wendehals die Möglichkeit zu geben, am Boden nach Ameisen zu suchen.

Eine völlig zugewachsene Streuobstwiese bei Völkershausen (Foto: LPV Rhön)
Dieselbe Fläche nach der Gehölzentnahme. Zukünftig soll die Fläche beweidet werden. (LPV Rhön)
Frau Ludwig weist die Pflegefirma in die Fläche ein (LPV Rhön)

Mistelbekämpfung an über 100 Apfelbäumen

Die Beseitigung von Misteln nahm im Winter 2018/19 viel Zeit in Anspruch. Auch die Pflege von Bäumen im Pufferbereich zu intakten Streuobstwiesen spielt eine Rolle, um einen Befall mit Misteln zu vermeiden.

Bitte beachten Sie: Misteln stehen nicht unter Naturschutz!

Befallene Äste müssen bis ca. 50 cm hinter der sichtbaren Mistel abgeschnitten werden. Die Bäume müssen wiederholt kontrolliert und Neuaustriebe immer wieder entfernt werden.

Herr Linse schneidet Misteln aus einem stark befallenen Apfelbaum (Foto: LPV Rhön)
In den Wintermonaten sind die klebrigen Beeren der Misteln reif und werden dann von Vögeln auf andere Bäume übertragen (LPV Rhön)
Der mdr begleitete die Mistelbekämpfug mehrfach und berichtete in verschiedenen Formaten darüber (LPV Rhön)

Informationen und Veranstaltungen

Wichtig ist es uns, auch die Rhöner über die Aspekte der „Geflügelten Vielfalt“ zu informieren. Das Fledermäuse in Streuobstwiesen jagen, und das es eine Vogelart mit Namen Wendehals gibt, ist vielen neu – stößt aber auf großes Interesse. Was man für die Geflügelte Vielfalt tun kann wird bei Schnittkursen, Kinderveranstaltungen und an unseren Infoständen vermittelt.

Extensiver Obstbaumschnitt, Mistelbekämpfung und allerlei interessante Fakten zu Streuobstwiesen werden bei den Schnittkursen vermittelt Foto: LPV Rhön
Banner und Faltblätter unterstützen die Öffentlichkeitsarbeit des Projektes Foto: LPV Rhön
Schulklassen erfahren bei Veranstaltungen viel über die Geflügelte Vielfalt und die Bedeutung von stehendem Totholz
Foto: LPV Rhön